Geistliche und geistige Impulse

Wochenend-Impuls

Wochenend-Impuls Kalenderwoche 14/2026

verfasst von Joachim Flach / Pfarrbezirk St. Martin, Pfaffendorfer Höhe


Unfertig – und trotzdem getragen.

Manchmal habe ich das Gefühl, wir leben in einer Zeit, in der alles optimiert werden soll: der Körper, die Ernährung, der Schlaf, die Morgenroutine, die Produktivität – sogar der Glaube. Alles soll besser werden. Bewusster. Effizienter. Gesünder.
Und irgendwo dazwischen stehen wir selbst. Mit diesem leisen Gedanken: Ich kriege das sowieso nicht hin. Nicht konsequent genug. Nicht diszipliniert genug. Nicht organisiert genug.
Und irgendwann passiert etwas Seltsames: Man versucht es gar nicht mehr. Man schiebt Dinge auf, lässt sie liegen, denkt:

Ach egal.

Psychologen beobachten etwas Ähnliches beim sogenannten Messie-Syndrom. Viele Betroffene sind keine Chaoten, sondern Perfektionisten. Menschen, die Dinge richtig machen wollen – so richtig, richtig. Und genau daran scheitern sie manchmal. Weil der Anspruch so hoch ist, dass nichts mehr gut genug ist, um überhaupt anzufangen.
Perfektion führt dann nicht zu Ordnung, sondern zu Stillstand.

Vielleicht kennst du das.
Der Stapel Briefe. Die To-do-Liste. Die Mails, die man noch beantworten wollte.
Die Wäsche, die „nur kurz“ liegen bleibt – und bleibt. Der Karton im Flur, der da nicht hingehört. Der Anruf, den man schon längst hätte machen sollen.
Und immer wieder dieses leise, drängende Gefühl: Ich müsste mal. Ich müsste wirklich mal.
Und irgendwann kippt es.
Dann wird aus „ich müsste“ ein „jetzt ist es sowieso zu viel“.
Wie eine Schwelle, vor der man stehen bleibt. Und während man noch überlegt, wächst der Berg weiter.
Vielleicht ist das Leben gar nicht dafür gemacht, perfekt sortiert zu sein.
Vielleicht ist das Chaos kein Beweis dafür, dass wir versagen.
Vielleicht ist es einfach ein Zeichen, dass wir Menschen sind: unfertig, unterwegs, manchmal überfordert.

Paulus schreibt einen Satz, der mich immer wieder herausfordert:
„Meine Kraft ist in den Schwächen mächtig.“ (2 Kor 12,9)

Ehrlich gesagt fühlt sich Schwäche selten nach Stärke an. Eher nach: Ich krieg’s nicht hin.
Vielleicht liegt genau da ein Missverständnis. Vielleicht ist Gottes Kraft nicht dafür da, dass alles klappt, alles glänzt, alles unter Kontrolle ist. Sondern dafür, dass wir nicht untergehen, wenn es nicht klappt.
Dass wir nicht zerbrechen an unserem eigenen Anspruch. Dass wir uns selbst noch aushalten können, wenn das Leben unordentlich wird.
Vielleicht zeigt sich seine Kraft nicht darin, dass dein Leben perfekt läuft.
Sondern darin, dass du weitergehst.
Dass du lachst, obwohl es drunter und drüber geht.
Dass du liebst, obwohl du selbst nicht fertig bist.
Dass du nicht aufgibst – auch wenn du manchmal kurz davor bist.
Vielleicht ist das viel mehr als Perfektion.
Vielleicht ist das, was trägt.
Nicht perfekt.     Aber es läuft.

Österliches Gebet


Auferstandener Christus, es ist dein Geist, der bewirkt, dass sich Ostern immer neu ereignet, dass Menschen, die vom Tod bedroht sind, die Hoffnung auf das Leben nicht aufgeben, weil sie dem Wort vertrauen: Ich bin auferstanden und immer bei euch. Es ist dein Geist, auferstandener Christus, der uns die Gewissheit gibt: Du bist in uns und wir sind in dir. Darum sind wir nicht mehr den Mächten der Welt, der Sünde und des Todes ausgeliefert. Wir sind durch dich von Gott ergriffen und vertrauen deiner Zusage: Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Auferstandener Christus, wir danken dir, dass du durch deinen Geist in unserer Mitte bist. Dein Geist, der uns Ostern als Fest des Lebens erfahren lässt, befreie uns von allem, was das Leben in uns und in der Welt bedroht. Er ermutige uns, für das Leben und die Freiheit aller Menschen einzustehen, damit sie wie wir dich erfahren als Anfang und Ende der Welt, als Sinn und Ziel ihres Lebens. Amen.



Ihr fragt, wie ist die Auferstehung der Toten?

Ich weiß es nicht.

Ihr fragt, wann ist die Auferstehung der Toten?

Ich weiß es nicht.

Ihr fragt, gibt’s eine Auferstehung der Toten?

Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, wonach ihr nicht fragt:

Die Auferstehung derer die leben.

Ich weiß nur, wozu Er uns ruft:

Zur Auferstehung heute und jetzt!


Kurt Marti (aus: Beten durch die Schallmauer, Impulse und Texte, KJG Verlag, Düsseldorf 1987, S.2)